Der Gebrauch von Dienstmarken bei der Norddeutschen Post ab 1870

Zum 01.01.1870 wurden im Bereich des Norddeutschen Postbezirks Dienstmarken heraus-gegeben. Gleichzeitig wurden viele der zuvor gewährten Portofreiheiten (beispielsweise für Kirchenämter, für Schulbuchhandlungen oder Forstbehörden) aufgehoben, ein politisch heikles Thema, weswegen es nicht gleich 1868 angegangen wurde.

Nicht immer wurden von den Behörden Dienstmarken verwendet, es gab auch noch andere Möglichkeiten, mit den ab jetzt anfallenden Portokosten umzugehen:

Die Behörden konnten mit normalen Freimarken frankieren wie jeder andere Postkunde auch, bei einer entsprechenden Vereinbarung konnten sie monatlich kontieren (Abrechnung über Kontobücher, bei der Post wurden dann normale Marken verklebt) oder einen sogenannten Aversionalvertrag abschließen. Letzteres ist ein pauschales Portoablösungsverfahren nach einer Erfassungszeit, die quasi als „Stichprobe“ diente.

Die Dienstmarken boten den nutzenden Behörden keinen finanziellen Vorteil. Nur die Kontrolle über die nun zu führende Portokasse (Schutz vor Mißbrauch!) wurde so erleichtert.

Nicht überall wurden die Dienstmarken in gleicher Häufigkeit genutzt. In Mecklenburg z.B. wurde oft aversioniert, in Braunschweig offenbar in der Regel kontiert.
Dienstmarkenverwendungen sind deshalb in manchen Gebieten seltener anzutreffen, z.B. in Braunschweig, beiden Mecklenburgs oder Oldenburg. Allein schon wegen des viel kleineren Verbreitungsgebietes sind Kreuzer-Dienstmarken nicht so häufig anzutreffen.

Andererseits sieht man bisweilen Verwendungsarten von Dienstmarken, die gar nicht vorgesehen waren, z. B. Paketbegleitbriefe mit Dienstmarkenfrankaturen.

 

Mischfrankaturen Dienstmarken mit Freimarken

Wir sehen hier eine Mischfrankatur Freimarke mit Dienstmarke aus dem Kreuzerbereich. Von solchen Kreuzer-Mischfrankaturen sind bislang nur sieben Belege registriert. Gerichtet an den evangelischen Pfarrer Kirchenrath Schlich in Lang-Göns, kommt sie aus dem neuen Postort Großen-Buseck.

 

Portofreier Postvorschussbrief mit frankierter Procura-Gebühr

Dieser interessante Beleg hätte auch ins Kapitel „Gebühren“ gepasst. Für die portofreie Gemeinde­sache (das Briefporto wurde durch den Gemeinde-Aversvertrag  abgedeckt) als Nachnahmesendung wurde in Gießen nur die Procura-Gebühr (1 Kreuzer pro ange­fange­nem Gulden, also 4 Xr) frankiert. Interessant sind auch die Verwendung eines Vordruckbriefs und die Korrektur des Namens des „Anzeigeblattes“ zu „Anzeigers“.

 

Dienstmarkenverwendungen in Oldenburg

In Rundbrief 96 zeigten wir einen Dienstmarkenbrief aus Varel nach Oldenburg mit dem Hinweis, dass im Buch „Neuerungen“ ausgesagt würde, oldenburgische Beamte hätten keine Dienstmarken verwendet. Das stimmt nicht ganz: In Oldenburg wurden auch Dienstmarken verwendet, wenn auch nur in sehr bescheidenem Umfang. Daher sind auch nur wenige oldenburgische Dienstmarkenbriefe bekannt. Aber es gibt sie! Zur Bestätigung können hier weitere Briefe aus dem Großherzogtum Oldenburg mit Dienst­marken gezeigt werden:

 

 

 Das Amt Brake (rückseitig ist der Absenderstempel erhalten) hat diesen Brief nach „Außendeich“ adressiert (heißt das „Sielachtmann“ ? Es muss eine Amtsbezeichnung sein.).  Der Hammelwarder  Außendeich gehörte zum Nahbereich von Brake, so dass Briefe dorthin entsprechend ½ Groschen kosteten. Diese Portostufe wurde durch eine Dienstmarke dargestellt.

 

Den 2. Brief vom 03.02.1870 hat der Pastor Barelmann aus Großenkneten geschrieben und über die Poststation Ahlhorn an den Oberkirchenrat nach Oldenburg versandt. Großenkneten bekam erst 1888 eine Posthilfsstelle, die 1891 in eine Postagentur umgewandelt wurde. Bis dahin wurde die Post von Großenkneten über Ahlhorn abgefertigt.

 

Auch die Kirche konnte Dienstmarken verwenden, so dass wir heute diesen schönen Beleg zeigen können.

 

 

Aktuell sind 86 Gäste und keine Mitglieder online