Bahnpostbriefe von Hamburg zur NDP-Zeit

 

Ingo von Garnier

Wenn wir im Kursbuch 1870 (Ausgabe Februar 1870 als Nachdruck, unser Heft 52) die Bahnverbindungen von Hamburg aus nachschlagen, finden wir auf Seite 3 die Strecke HH-Berlin, auf Seite 5 die Strecke nach Lübeck (seit 1. Aug. 1865) und auf Seite 9 die Strecke HH-Altona-Blankenese (seit 19. Mai 1867). Im Inhaltsverzeichnis werden aber auch zwei Verweise auf Harburg und Altona gegeben, von wo 24 bzw. 23 Verbindungen im Kursbuch aufgeführt sind. Die meisten Briefe mit Hamburger Bahnpoststempel stammen von den Kursen nach Berlin.

Die Fahrpreistabelle zeigt Preise in Mark und Schilling, Silbergroschen sowie Thaler und Schilling!

 

Vier Züge fuhren pro Tag von Hamburg nach Berlin. Wenn Sie die Fahrzeiten vergleichen, fällt Ihnen auf, daß die beiden ersten deutlich länger fuhren als Kurs III und der „Courierzug“ nachts:

Kurs I
von 7.45 h bis 15.40 h
7 Stunden 55 Minuten
Kurs II  
von 11.15 h bis 21.05 h          9 Stunden 50 Minuten
Kurs III
von 14.50 h bis 21.35 h 6 Stunden 45 Minuten
Courierzug von 23.00 h bis 5.30 h 6 Stunden 30 Minuten

               

Die meisten Bahnpost-Briefe, also diejenigen, die direkt zum Zug (oder zum Bahnhofsbriefkasten) gebracht worden sind, tragen den alten Stempel mit der Bezeichnung „SPED:BUR:No3“. Er ist registriert seit 9. Mai 1857 (Handbuch der Poststempel von Hamburg bis 1875, ArGe Schleswig-Holstein 2004, Seite 55). Eine zweite, etwas kleiner geschnittene Type ist registriert seit 2. Nov. 1855. Zur späten Preußenzeit und zur NDP-Zeit kommt Type I nur noch mit der Uhrzeit „10-11“ vor. Da am Nachmittag damals (wie heute) die meiste Post anfiel, ist die Annahme berechtigt, daß Type I im Courierzug mit Abfahrt 11 Uhr abends im mitfahrenden Bahnpostwagen verwendet worden ist.

Trotz intensiver Suche ist bisher erst ein einziger Beleg zur NDP-Zeit mit anderer Uhrzeit und zwar mit der kleineren Type II aufgetaucht. Der Stempel zeigt die Uhrzeit: 9(-)10. Da sich der Abschlag auf einer Drucksache befindet, ist der Stempel wohl stationär eingesetzt worden; hier z.B. zum Abstempeln eines Postens Drucksachen, die sich im Bahnhofsbriefkasten fanden.

 

 

Bahnpost in Mecklenburg

Wir sehen hier einen Postübernahme-Stempel von Güstrow auf der Strecke Bützow-Stettin vor, der bislang 1871 noch nicht nachgewiesen ist. Der Beleg stammt wohl erst aus 1871, weil bei früherer und damit längerer Verwendung zur NDP-Zeit sicher schon weitere Stücke aufgetaucht wären.

 

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