Norddeutscher Postbezirk - was ist das eigentlich ?
Der Norddeutsche Postbezirk war der Zuständigkeitsbereich der Postverwaltung des Norddeutschen Bundes. Zum Norddeutschen Bund hatten sich nach dem Krieg 1866 unter der Führung Preußens 22 deutsche Staaten zusammengeschlossen.

Wer könnte sich dafür interessieren ?
 
Der geschichtlich interessierte Philatelist !
Er findet Belege, die wesentliche Abschnitte der Bismarck-Ära wiederspiegeln, einer der bedeutenden Abschnitte der neueren deutschen Geschichte. Der damals gemeinsam gegen Frankreich geführte Krieg veranlaßte die süddeutschen Staaten, sich mit den Staaten des Norddeutschen Bundes zum Deutschen Reich zu vereinigen, dessen Gründung durch die Kaiserproklamation von Versailles am 18. Januar 1871 symbolisch dokumentiert wurde. Gemäß Friedensvertrag mußte Frankreich Elsaß-Lothringen an Deutschland abtreten.
 
Der postgeschichtlich interessierte Philatelist !
Die Verträge des Deutsch-Österreichischen Postvereins wurden durch die Verträge vom 23.11.1867 ersetzt. Durch sie wurde ab dem 01.01.1868 zusammen mit dem Norddeutschen Postbezirk und den Postbezirken der süddeutschen Staaten, des Österreichischen Kaiserreiches (mit Ungarn und Liechtenstein) sowie Luxemburgs das vorerst größte europäische Postgebiet mit weitgehend einheitlichen Gebühren gebildet. Gegenüber den übrigen Staaten galten weiterhin Postverträge der früheren "altdeutschen" Postverwaltungen; die meisten wurden nach und nach durch neue Verträge ersetzt.
Ungewöhnliche Verhältnisse verursachte der Krieg mit Frankreich u.a. durch die Einrichtung einer deutschen Postadministration im besetzten Gebiet und die der Feldpost. Durch das Inkrafttreten der Verfassung des Deutschen Reiches am 04.05.1871 wurde der Norddeutsche Postbezirk zum Deutschen Reichspost-Bezirk. Die Wertzeichen der Norddeutschen Bundespost wurden damit zu den ersten Wertzeichen der Deutschen Reichspost. Alle diese Umstände ergeben ungemein reizvolle philatelistische Betätigungsfelder.
 
Der an einem abgeschlossenen und überschaubaren Sammelgebiet
interessierte Philatelist !
Innerhalb von vier Jahren (1868 - 1871) wurden weiterverwendet und neu ausgegeben :
Die zwei preußischen "Innendienstmarken", je zwei Serien durchstochener und gezähnter Freimarken mit je sechs Groschen- und fünf Kreuzer-Wertstufen sowie je einer 1/2-Schilling-Marke.
Zwei (neue) "Innendienstmarken" sowie eine Serie Okkupationsmarken mit sieben Centimes-Wertstufen.
Ferner zwei Dienstmarken-Serien mit fünf Groschen- und vier Kreuzer-Wertstufen.
An "normalen" Ganzsachen gibt es zwei Streifbänder und zwei Umschläge sowie ferner - etwas für den Spezialisten - eine größere Anzahl von Aufbrauch-Provisorien. Auch gab es eine Serie Telegraphen-Marken.
 
Der forschende Philatelist !
Es gilt noch vieles zu erforschen. Z.B. wissen wir noch nicht alles über die gebietsweise unterschiedlichen Ortsgebühren: ein dankbares Betätigungsfeld für den Heimatsammler.
Gesucht wird nach einigen Auslandstarifen, einigen wichtigen Reglements und den Aversionalverträgen.
Die Aufstellung der Stationierungsorte und -zeiten der Feldpostrelais weist Lücken auf.
Die frühesten Verwendungsdaten der gezähnten Marken sind zu registrieren, und neben den bereits erfassten Plattenschäden warten sicher noch weitere auf ihre Entdeckung.
Viele Akten in den Archiven harren noch der Auswertung, und oft wirft manch´ neu entdeckter Postbeleg neue interessante Fragen auf.

Der Freund von Stempeln unter den Philatelisten !
Ihm bietet sich ein Dorado weiterverwendeter Stempel der altdeutschen Postverwaltungen, französischer Stempel in den besetzten Gebieten und in Elsaß-Lothringen sowie ein weites Feld von Neustempeln, auf dem manche Seltenheit auf ihre (oder Ihre) Entdeckung wartet. Auch hier gilt es, weitere Früh- oder Spätdaten ihrer Verwendung zu erfassen.

 

Der Sammler mit begrenzten Geldmitteln !
Da die Sammelobjekte des Norddeutschen Postbezirks noch preisgünstig erworben werden können, ist es möglich, mit relativ geringem Aufwand eine solide, repräsentative und wertvolle Sammlung anzulegen. Das gilt auch für solche reizvollen Spezialgebiete wie Korrespondenzkarten, Portostufen-, Fahrpost- und Feldpostbelege sowie Stempel und Plattenschäden. Entsprechendes Material ist (noch) in ausreichendem Maße auf dem Markt.
 
Wenn Sie sich zu einer dieser Gruppen von Philatelisten zählen, empfehlen wir Ihnen, Mitglied in der Arbeitsgemeinschaft Norddeutscher Postbezirk zu werden !
Voraussetzung eines Beitritts ist die Mitgliedschaft im BDPh e.V. (z.B. über einen Ortsverein) oder in einer der FIP angeschlossenen Vereinigung.

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