Sendungen nach Grossbritannien und Irland bis zum 1.7.1870

Zunächst hatte der"Postvertrag mit England" (für die über Belgien zur Auswechslung kommenden Correspondenzen), der am 1.8.1852 in Kraft tratt, seine Gültigkeit.

Für Zeitungen und Drucksachen musste nur das Belgische Transitporto von 1/4 Sgr. zusätzlich zu den 1/3 Sgr. bezahlt werden. Dies hatte später auch noch seine Gültigkeit.

Am 1.7.1859 tratt ein "Additional-Vertrag" zwischen Preussen (einschl. des Postvereins, ohne T+T, Baden, Hannover und Mecklenburg-Schwerin) und Grossbritannien (einschl. Irland) in Kraft, der das Briefporto von 7 auf 5 Sgr. für frankierte Briefe reduzierte.

Er senkte das Porto beim Versand (über Belgien) für frankierte Briefe bis ein Lot auf 5 Sgr., unfrankierte Briefe kosteten 7 Sgr., es herschte kein Frankierungszwang. Das Porto stieg von Lot zu Lot.

Teilweise frankierte Briefe wurden als unfrankiert behandelt und die verklebten Freimarken oder Franco-Couverts angerechnet. Der Fehlbetrag wurde beim Empfänger eingezogen. 

Briefe mit einer Recogebühr von 2 Sgr. mussten frankiert sein.  

Ab den 1.1.1865 ermöglichte es ein Übereinkommen, "Warenproben oder Muster ohne Wert" zu einem ermäßigten Tarif zu versenden. Das Höchstgewicht durfte 15 Lot nicht übersteigen. Sendungen mussten frankiert sein. Das Porto betrug 8 Pfg. bzw. 2 Kr. je Lot. Bei ungenügend frankierten Warenproben wurde das Doppelte des Fehlbetrages erhoben.

 

31.8.1869 - ein doppelt schwerer Brief aus Leipzig nach London, die Firma Heinrich Lomer betrieb in Leipzig (Brühl) einen florierenden Pelzhandel. (Spalink Type 21-1)

 

 5.6.1870 - ein doppelt schwerer brief aus dem Kreuzer - Gebiet nach Sheffield.

 

Sendungen nach Grossbritannien und Irland nach dem 1.7.1870

Ab dem 1.7.1870 trat ein neuer Postvertrag mit Großbritannien in Kraft und galt für auch für Sendungen aus Österreich Ungarn, Bayern, Baden, Württemberg und Luxemburg. Der Postaustausch fand wie bisher über Ostende und Dover statt.

Gewöhnliche Briefe bis ein Lot konnten frankiert als auch unfrankiert abgesendet werden und kosteten 2 1/2 Gr. bzw. 9 Kr. Unfrankierte Briefe kosteten das Doppelte. Drucksachen und Warenproben mussten frankiert werden. Die Gebühr blieb bei 3/4 Sgr. bzw. 2 Kr. nach dem seit 1865 geltenden Tarif. Unzureichend frankierte Briefe wurden als unfrankierte Briefe behandelt und taxiert. Der Wert der verklebten Freimarken wurde angerechnet. Unzureichend frankierte Zeitungen galten als unzustellbar. Unzureichend frei gemachte Durcksachen oder Warenproben wurden mit dem Doppelten des Fehlbetrages belegt.

Briefe, Warenproben und Drucksachen konnten eingeschrieben werden, die Reco-Gebühr betrug 2 Sgr bzw. 7 Kr.

Briefpostgegenstände konnten "per Expressen" oder "By Express" zugestellt werden. Es galten die Gebühren wie im Inland.

 

27.4.1871 - Ein doppelt schwerer Brief hätte mit 5 Sgr. bzw. 18 Kr. frei gemacht werden müssen. Der Brief wurde daher als unfrankiert behandelt und die fehlenden 9 Pence beim Empfänger eingefordert. (Das Porto für den doppelt schweren Brief war 12 Pence. Die verklebten 9 Kr. entsprachen 3 Pence, welche angerechnet wurden.)

 

30.9.1871 - Auslandsbeleg vom 2. Verwendungstag des Hufeisenstempels in Mühlhausen. (Spalink Type 26-1) Der Tarif für Sendungen bis zu 10g aus Elsass & Lothringen betrug 30 Centimes.

 

17.12.1871 - Einfacher Brief aus Hamburg nach London. Erwin Stammann war als Diplomat u.a. in New York, Helsingfors und Caracas tätig. (Spalink Type 17-3)

Wir wollen unter dieser Rubrik Sendungen nach Luxemburg genauer betrachten. 

Zum 1.1.1852 trat Luxemburg dem Deutsch-Österreichischen Postverein bei. Nachdem dieser Postverein aufgelöst war, schloss Luxemburg am 23.11.1867 mit Wirkung vom 1.1.1868 einen Vertrag mit dem Norddeutschen Bund, den süddeutschen Staaten Baden, Bayern und Württemberg, sowie Österreich mit Ungarn und Liechtenstein. 

Das Porto für den einfachen Brief betrug innerhalb des gesamten Gebietes der Vertragsstaaten 1 Gr./3 Kr./12,5 Centimes.

 

25.4.1869 - ungewöhlicher Beleg, der ursprünglich ein Fahrpostbrief war und dann zum gewöhnlichen Brief wurde.

Links oben sind 5 2/10 Loth Gewicht notiert worden. Der Text daneben, soweit ich ihn entziffern kann:
Beigehend 1 Packet mit Adresse enth(altend) 50 Thaler Werth in Coupons.

Neben Franco ist eine große "1" und 5 1/2 Bruchstrich 2 1/2 jeweils in Rot!

5 1/2 Sgr wäre das Deutsche Franco bis Wasserbillig, was sich aus 4 Sgr. Gewichts- und 1 1/2 Sgr. Assecuranzgebühr zusammensetzt.
2 1/2 Sgr wäre das Luxemburgische Franco ab Wasserbillig, bestehend aus 2 Sgr. Gewichts- und 1/2 Sgr. Assecuranztaxe.

Der Wunsch des Absenders war ja, alles zu bezahlen! Danach hätte er 8 Sgr. Franco entrichten müssen! Warum auch immer, wurden sowohl die unvollständige Paketdeklaration (Signierung fehlt!) und die dazugehörigen Taxen gestrichen. Er bezahlte 1 Sgr. für den Brief. Der Francostempel wurde zur Barfrankierung genutzt.

Ob der Brief nun tatsächlich 5 2/10 Loth wog.... naja, wie auch immer, jedenfalls wurden noch 2 Sgr Porto angeschrieben, also der fehlende eine Silbergroschen für ein Brief ab 1 Loth + einen weiteren Sgr. als Ergänzungsporto. Sicher ist, dass der ursprüngliche Fahrpostbrief somit ein gewöhnlicher Brief wurde.

 

2.1.1869 - einfacher Brief aus Coeln nach Diekirch. (Spalink Type 4-7)

 

13.8.1871 - Faltbrief aus Metz in den Vertragsstaat Luxemburg: Porto 15 Centimes ab 13.1.1871.

Sendungen in die Schweiz bis zum 1.9.1868

Bis zum 1.9.1868 galt für Sendungen in die Schweiz die der Verfügung 239 vom 1852 auch Lindauer Übereinkunft von 1852 über die "Behandlung der diesseitigen Correspondenz nach und aus der Schweiz" Östererich, Baden, Bayern Württemberg und Thurn und Taxis haben mit der Schweiz einen Postvertrag abgeschlossen. Zum Vereinsporto kommt das Schweizer interen Porto in der Grenzregion (unter 10 Meilen) von 1 Sgr. und in der übrigen Schweiz von 2 Sgr.

Es besteht kein Frankierungszwang. „Eine theilweise Frankatur ist nicht statthaft.“ Unterfrankierte Sendungen werden als unfrankierte behandelt und daher mit dem vollen Porto belegt. Es gilt die Vereins-Gewichts-Progression. Ab 1.7.1856 wurden Teilfrankaturen anerkannt.

Kreuzbandsendungen werden mit 1 Sgr. je Zollot berechnet. Warenproben und Reco-Briefe werden wie Vereins-Sendungen behandelt. Bei Sendungen im Transit durch die Schweiz kommt zm Vereins-, und Schweizer Porto noch das fremde Porto.

 

Post in die Schweiz lief in der Regel über Baden, wobei die Badener Post mit der Schweizer Post direkt abrechnete. 

31.12.1867 ein Faltbrief nach Zürich. Zürich lag im 1. Schweizer Rayon. Daher setze sich das Franco aus 3 Silbergroschen bis zur Grenze + 1 Silbergroschen für den 1. Schweizer Rayon zusammen. Den blauen 1 Sgr. (rot gestrichen) bekam die Badener Post, die mit der Schweiz an der Grenze 3 Kreuzer (rot) abrechnete. Den 1/4 Groschen Differenz strichen die Badener ein. Der Beleg vom 31.12.1867 ist zudem ein Brief vom letzten Tag der Preußischen Post. (Spalink Type 34-2)

 

1.2.1868 ein Faltbrief unfrankiert als Portobrief versandt. Porto und Franco waren gleich. Die „40“ Rappen -rot- (entsprach 12 Kreuzer) wurden vom Empfänger kassiert. Der Preußischen Post wurden „9“ Kreuzer -blau- angerechnet. (Spalink Type 34-1)

 

 14.4.1868 - ein mit 4 Sgr. frankierter Brief für den 1. Schweizer Rayon. Herzogenbuchsee liegt gut 4 Meilen von der Grenze entfernt, die Badener Postbeamten gaben nur 3 Kz. (rot) an die Schweiz weiter. (Spalink Type 21-1)

 

2.6.1868 - bis zum 31.8.1868 kostete der einfache Brief in den 2. Schweizer Rayon 5 Sgr. Mit 2 Sgr. war der Brief unterfrankiert; "reicht nicht" lesen wir neben der Marke. Der Fehlbetrag waren 3 Sgr. welcher blau notiert wurde und die gestrichene "1" in blau steht für den Anteil für den NDP. Der Empfänger musste "30" Rappen Porto bezahlen, die rot notiert sind. (Spalink Type 11-1N1)

 

Sendungen in die Schweiz ab den 1.9.1868

Für Sendungen in die Schweiz tritt am 1.9.1868 ein neuer Postvertrag in Kraft. In der Verfügung 153 von 1868 lesen wir. Für Briefe besteht kein Frankierungszwang, einfache frankierte Briefe bis 1 Lot kosten 2 Sgr. bzw. 7 Kr., ab 1 Lot 2 Sgr. bzw. 7 Kr. bis zu einem Gewicht von 15 Lot. Unfrankierte Briefe kosten das Doppelte (4 Sgr. bzw. 14 Kr. für den einfachen Brief).

Für Sendungen im Grenzbereich gilt ein Sondertarif sofern die Orte nicht mehr als 7 Meilen Luftlinie voneinander entfernt sind (3 Kr. für frankierte bzw. 7 Kr für unfrankierte Briefe).

Drucksachen und Warenproben müssen frankiert sein. Drucksachen kosten 1/2 Groschen bzw. 2 Kr. oder 1 Kz. im Grenzbereich. Für Warenbroben gilt ein Tarif von 2 1/2 Sgr. je 40g.

Nicht ausreichend frankierte Sendungen werden als unfrankierte Briefe taxiert und für den Wert der Freimarken werden je Groschen 12 1/2 Rappen angerechnet.   

Es ist gestattet Briefe, Drucksachen und Warenproben einzuschreiben (2 Sgr. bzw. 7 Kr.), auch ein Rückschein (2 Sgr. bzw. 7 Kr.) kann verlangt werden.

 

 26.9.1870 - Auslandsdrucksache aus Lübeck nach Langnau im Emmental wurde mit 1/2 Sgr. korrekt freigemacht. (Spalink Type 22-2)

 

Kleiner Exkurs - Die Blaue Stempelfarbe:

Auf der Suche nach der zweckmäßigen Farbe zum Entwerten der Postfreimarken wurde man in Berlin 1865 auf die Praxis des Eisenbahn-Postbüros Nr. 10 aufmerksam, welches seit dem Jahreswechsel 1864/65 den Streckenstempel Verviers – Cöln in blau abschlug. Auf Grund der guten Erfahrungen erfolgten auch bei den Berlinern Postämtern Versuche mit Blauer Farbe. Im Laufe des Jahres 1869 kehrte man zur Schwarzen Farbe zurück. Nur beim Berliner Hofpostamt, welches auch den Berliner Hufeisenstempel in Einsatz hatte, wurde Blau noch bis 1872 verwendet. Vermutlich wurden dort die Restbestände aufgebraucht. (Mehr dazu finden Sie in unseren Rundbriefen.)

1869 - zwei Faltbriefe nach Neuchâtel mit schwarzer und blauer Stempelfarbe. Die schwarze Farbe wurde nur am 21.9 verwendet, die Tage davor und danach wurde Blau verwendet. (Spalink Typen 1N2a und 1N3b)

 

7.7.1871 - auf einem einfachen Faltbrief nach Zürich finden wir den letzten bekannten Abschlag eines Hufeisenstempels aus Crefeld Spalink Type 6-2.

 

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