Drucksache in den Kirchenstaat

 

Hier eine Auslands-Drucksache, von Remscheid über Tirol nach Rom aus dem November 1868. Innerhalb des Kirchenstaats fiel weiteres Porto von 5 Centesimi an. Links unten ist in blau das Weiterfranco von ¼ Groschen vermerkt. Interessant ist auch, dass vom K2a Remscheid (s. Feuser S. 400) der Innenkreis kaum abgeschlagen ist.

Dazu passt ein weiterer Beleg in den Kirchenstaat nach Rom, der noch die alte Portostufe (in diesem Falle vor dem 1.6.1869) mit 12 Kreuzern zeigt.

 

 

Brief nach Frankreich in der 7. Gewichtsstufe

Wir sehen hier einen eingeschriebenen Brief nach Frankreich in der 7. Gewichtsstufe. Wie wir wissen, fielen für solche Briefe 4½ Groschen je 6/10 Loth (inkl.) an, mithin für 4 1/20 Loth das 7fache Porto, also 31½ Groschen, plus die 4 Groschen Einschreibgebühr nach Frankreich. Somit ist dieser Brief mit 35½ Gr. korrekt frankiert – damals oft mehr als der Tagesverdienst eines Arbeiters.

„Advertised“ in den USA

 

Wir sehen hier einen Brief von Geestemünde in die USA, der unzureichende Angaben über den Adressaten trägt und deswegen zur Feststellung der Straßenadresse den Stempel „ADVERTISED“ trägt. Vermutlich wurde zunächst im Briefträgersaal nachgefragt und ein Aushang bei der Post vorgenommen, damit der Adressat sich melde. Dann wurden die unzustellbaren Postsendungen auch in lokalen Zeitungen angezeigt („advertised“). Jedenfalls trägt der Brief einen Vermerk „Rcd. May 14th 1870“ („Rcd.“ bedeutet „Received“, also „erhalten“) vom darauffolgenden Tag. Man hat Herrn Wille in Charleston also gefunden.

 

Das hat den Schriftführer nicht ruhen lassen. Viele alte Zeitungen liegen heute bereits digitalisiert vor, und deshalb lohnt sich eine entsprechende Recherche. Und tatsächlich: In der Ausgabe der „The Charleston Daily News“ vom 13. Mai 1870 findet sich eine lange Liste (getrennt nach Damen und Herren!) der liegengebliebenen Postsendungen, in der sich auch J. H. A. Wille findet. Offenbar hat er die Zeitung gelesen und sich gleich gemeldet!

 

Der Brief trägt als weitere Besonderheit einen Ankunfts- und Gebührenstempel aus New York, bei dem das Ankunftsdatum leider nicht richtig erkennbar ist. Vermutlich wurde der Brief am 20. April 1870 mit dem HAPAG-Dampfer „Saxonia“ von Hamburg nach New York transportiert und ist dort (laut Hubbard/Winter, North Atlantic Mail Sailings) am 6. Mai angekommen. Fällig wurde eine Gebühr von 22 cents in „US Notes“, also im abgewerteten Papiergeld, um einiges höher als der Betrag in Goldwährung.

 

 

 

 

 

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