Unterfrankierter Ballonpostbrief nach Köln

Hier ein Ballonpostbrief nach Köln mit Aufgabestempel vom 19. Nov.1870. Wir vermuteten zunächst, dass er mit dem Ballon „L’Archimede“ befördert wurde. Ingo von Garnier schreibt dazu, nachdem er die Bücher von Günther Heyd konsultierte: „Nach dem Aufgabedatum könnte dieser Brief - übrigens ein sehr schönes, wirkungsvolles Stück - auch mit dem Ballon „La Ville d' Orleans" befördert worden sein, aber von diesem in Norwegen gestrandeten Ballon soll nur wenig Post gerettet worden sein; also ist der Transport mit dem „Archimedes" wahrscheinlich.- Im Buch über die Postvertragstempel von James van der Linden wird der Stempel „AFFR. INSUFF. ETR“ (seit 1865 bekannt) unter Nr. 19 geführt. M.W. war der Empfänger, die Firma J.P. Bachem, Herausgeber der Kölnischen Volkszeitung (ab 1869). Der Inhalt des Briefes brächte vielleicht interessante Details aus dem belagerten Paris zum Vorschein.“

Wie kommt bei einer 30c-Frankatur die blaue Nachtaxe (schlecht zu erkennen) von 1½ Gr. zustande? Ein unfrankierter, bzw. unzureichend frankierter Brief in die Rheinprovinz kostete 4 Gr., abzüglich der bereits frankierten 30 C. = 2½ Gr. machen 1½  Gr. (blaue Taxe).

 

Badische Paketsendung an die Front

Badische Paketsendungen, befördert durch Speditionsfirmen, sind uns schon in mehreren Rundbriefen begegnet. Nun wird hier eine weitere badische Paketbegleitadresse vorgelegt. Im Gegensatz zur Handhabung im Postgebiet NDP oder Bayern dürfte in Baden das bisher übliche beim Postversand praktiziert worden sein, Paketbegleiter mit den üblichen Angaben und Aufgabezettel mit Paketnummer. Der vorliegende Zettel hat keine Aufklebespuren. Das Paket wog 5 Pfd. 21 Loth und geht von Ringsheim bei Orschweier an einen Soldaten bei der badischen Felddivision. Datiert am 10. Jan. 1870 (wohl Irrtum und muss 1871 heißen) und

 

bezahlt 25 Kreuzer (s. Rötel schwach in der Mitte unten). Die bezahlte Gebühr ist nachvollziehbar:

 

Postgebühr: ermäßigte Gebühr nach Nr. 12 Verordnungsblatt vom 8. April 1868
für Pakete an Soldaten bis 6 Pfund

7 Xr

Speditionskosten ab Sammelstation in Baden bis zur Front lt. Bekanntmachung
vom 1. Sept 1870 für Pakete von 5 bis 10 Pfund

18 Xr

zusammen

25 Xr

 

Siehe auch die ArGe Schriftenreihe Nr. 39 von Friedrich Spalink, S. 170.

 

Der Soldat hat sich sicher sehr über „Taback und Gleidungsstücke“ gefreut!

 

 

Briefe mit französischen Taxstempeln

 

Einige interessante Belege mit französischen Taxstempeln:


Kriegsgefangenenbrief von STOLP nach GANGES (Hérault Dépt.) durch Vermittler MELCHIOR IMHOF & FILS BALE befördert. Mit 10c anstatt 30c unterfrankiert, Coursstempel BASEL-OLTEN 6.2.71. Eingangs- Stempel SUISSE-LYON rot. Ankunft GANGES 8.2.71, mit AFFR.INSUF. gestempelt und mit 4 Decimes taxiert.

Kriegsgefangenenbrief von PARIS RUE D'ENGHIEN 2.6.7l (wohl ein Letztdatum) nach WÜRZBURG, Ankunft 27.6., aber nicht zustellbar. Deswegen auf der Rückseite gestempelt: REBUTS DE L'ARMEE DU RHIN / INCONNU neben dem Ovalstempel SCHWEIZ über BADEN.

 

 

Von MÜHLHAUSEN i. ELS nach LYON 4.12.71 mit beschädigtem Taxstempel. Die fehlende 2 ist handschriftlich ergänzt.

 

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